Die sieben Zwerge, gebohrtes Märchen-Osterei von H. Opiola.![]() |
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Schneewittchen bei den sieben Zwergen - ein
Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm (Teil 2)Die Königin aber glaubte, sie sey wieder die allerschönste im Land, trat Morgens vor den Spiegel und fragte: »Spieglein, Spieglein an der Wand: da antwortete der Spiegel aber wieder:
»Frau Königin, Ihr seyd die schönste hier: wie die Königin das hörte erschrack sie und sah wohl, daß sie betrogen worden und der Jäger Schneewittchen nicht getödtet hatte. Weil aber niemand, als die sieben Zwerglein in den sieben Bergen war, da wußte sie gleich, daß es sich zu diesen gerettet hatte, und nun sann sie von neuem nach, wie sie es umbringen könnte, denn so lang der Spiegel nicht sagte, sie wär die schönste Frau im ganzen Land, hatte sie keine Ruh. Da war ihr alles nicht sicher und gewiß genug, und sie verkleidete sich selber in eine alte Krämerin, färbte ihr Gesicht, daß sie auch kein Mensch erkannte, und ging hinaus vor das Zwergenhaus. Sie klopfte an die Thür und rief: »macht auf, macht auf, ich bin die alte Krämerin, die gute Waare seil hat.« Schneewittchen guckte aus dem Fenster: »was habt ihr denn?« — »Schnürriemen, liebes Kind,« sagte die Alte, und holte einen hervor, der war von gelber, rother und blauer Seide geflochten: »willst du den haben?« — Ei ja, sprach Schneewittchen, und dachte die gute alte Frau kann ich wohl hereinlassen, die meints redlich; riegelte also die Thüre auf und handelte sich den Schnürriemen. »Aber wie bist du so schlampisch geschnürt, sagte die Alte, komm ich will dich einmal besser schnüren.« Schneewittchen stellte sich vor sie, da nahm sie den Schnürriemen und schnürte und schnürte es so fest, daß ihm der Athem verging, und es für todt hinfiel. Darnach war sie zufrieden und ging fort. Bald darauf ward es Nacht, da kamen die sieben Zwerge nach Haus, die erschracken recht, als sie ihr liebes Schneewittchen auf der Erde liegen fanden, als wär es todt. Sie hoben es in die Höhe, da sahen sie, daß es so fest geschnürt war, schnitten den Schnürriemen entzwei, da athmete es erst, und dann ward es wieder lebendig. »Das ist niemand gewesen, als die Königin, sprachen sie, die hat dir das Leben nehmen wollen, hüte dich und laß keinen Menschen mehr herein.« Die Königin aber fragte ihren Spiegel: »Spieglein, Spieglein an der Wand: der Spiegel antwortete: »Frau Königin, Ihr seyd die schönste
hier, Sie erschrack, daß das Blut ihr all zum Herzen lief, da sie sah, daß Schneewittchen wieder lebendig geworden war. Darnach sann sie den ganzen Tag und die Nacht, wie sie es doch noch fangen wollte, und machte einen giftigen Kamm, verkleidete sich in eine ganz andere Gestalt, und ging wieder hinaus. Sie klopfte an die Thür, Schneewittchen aber rief: »ich darf niemand hereinlassen;« da zog sie den Kamm hervor, und als Schneewittchen den blinken sah und es auch jemand ganz fremdes war, so machte es doch auf, und kaufte ihr den Kamm ab. »Komm ich will dich auch kämmen,« sagte die Krämerin, kaum aber stack der Kamm dem Schneewittchen in den Haaren, da fiel es nieder und war todt. »Nun wirst du liegen bleiben,« sagte die Königin, und ihr Herz war ihr leicht geworden, und sie ging heim. Die Zwerge aber kamen zu rechter Zeit, sahen was geschehen, und zogen den giftigen Kamm aus den Haaren, da schlug Schneewittchen die Augen auf, und war wieder lebendig, und versprach den Zwergen, es wollte gewiß niemand mehr einlassen. Die Königin aber stellte sich vor ihren Spiegel: »Spieglein, Spieglein an der Wand: der Spiegel antwortete: »Frau Königin, Ihr seyd die schönste
hier, Wie das die Königin wieder hörte, zitterte und bebte sie vor Zorn: »so soll das Schneewittchen noch sterben, und wenn es mein Leben kostet!« Dann ging sie in ihre heimlichste Stube, und niemand durfte vor sie kommen, und da machte sie einen giftigen, giftigen Apfel, äußerlich war er schön und rothbäckig, und jeder der ihn sah, bekam Lust dazu. Darauf verkleidete sie sich als Bauersfrau, ging vor das Zwerghaus und klopfte an. Schneewittchen guckte und sagte: »ich darf keinen Menschen einlassen, die Zwerge haben mirs bei Leibe verboten.« »Nun, wenn Ihr nicht wollt, sagte die Bäuerin, kann ich euch nicht zwingen, meine Aepfel will ich schon los werden, da, einen will ich euch zur Probe schenken.« — »Nein, ich darf auch nichts geschenkt nehmen, die Zwerge wollens nicht haben.« — »Ihr mögt Euch wohl fürchten, da will ich den Apfel entzwei schneiden und die Hälfte essen, da den schönen rothen Backen sollt Ihr haben;« der Apfel war aber so künstlich gemacht, daß nur die rothe Hälfte vergiftet war. Da sah Schneewittchen, daß die Bäuerin selber davon aß, und sein Gelüsten darnach ward immer größer, da ließ es sich endlich die andere Hälfte durchs Fenster reichen, und biß hinein, kaum aber hatte es einen Bissen im Mund, so fiel es todt zur Erde. Die Königin aber freute sich, ging nach Haus und fragte den Spiegel: »Spieglein, Spieglein an der Wand: da antworte er: »Ihr, Frau Königin, seyd die schönste Frau im Land!« »Nun hab ich Ruhe« sprach sie, »da ich wieder die schönste im Lande bin, und Schneewittchen wird diesmal wohl todt bleiben.« Die Zwerglein kamen Abends aus den Bergwerken nach Haus, da lag das liebe Schneewittchen auf dem Boden und war todt. Sie schnürten es auf, und sahen, ob sie nichts giftiges in seinen Haaren fänden, es half aber alles nichts, sie konnten es nicht wieder lebendig machen. Sie legten es auf eine Bahre, setzten sich alle sieben daran, weinten und weinten drei Tage lang, dann wollten sie es begraben, da sahen sie aber daß es noch frisch und gar nicht wie ein Todter aussah, und daß es auch seine schönen rothen Backen noch hatte. Da ließen sie einen Sarg von Glas machen, legten es hinein, daß man es recht sehen konnte, schrieben auch mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf und seine Abstammung, und einer blieb jeden Tag zu Haus und bewachte es. So lag Schneewittchen lange, lange Zeit in dem Sarg und verweste nicht, war noch so weiß als Schnee, und so roth als Blut, und wenns die Aeuglein hätte können aufthun, wären sie so schwarz gewesen wie Ebenholz, denn es lag da, als wenn es schlief. Einmal kam ein junger Prinz zu dem Zwergenhaus und wollte darin übernachten, und wie er in die Stube kam und Schneewittchen in dem Glassarg liegen sah, auf das die sieben Lichtlein so recht ihren Schein warfen, konnt er sich nicht satt an seiner Schönheit sehen, und las die goldene Inschrift und sah, daß es eine Königstochter war. Da bat er die Zwerglein, sie sollten ihm den Sarg mit dem todten Schneewittchen verkaufen, die wollten aber um alles Gold nicht; da bat er sie, sie mögten es ihm schenken, er könne nicht leben ohne es zu sehen, und er wolle es so hoch halten und ehren, wie sein Liebstes auf der Welt. Da waren die Zwerglein mitleidig und gaben ihm den Sarg, der Prinz aber ließ ihn in sein Schloß tragen, und ließ ihn in seine Stube setzen, er selber saß den ganzen Tag dabei, und konnte die Augen nicht abwenden; und wenn er aus mußte gehen und konnte Schneewittchen nicht sehen, ward er traurig, und er konnte auch keinen Bissen essen, wenn der Sarg nicht neben ihm stand. Die Diener aber, die beständig den Sarg herumtragen mußten, waren bös darüber, und einer machte einmal den Sarg auf, hob Schneewittchen in die Höh und sagte: »um so eines todten Mädchens willen, werden wir den ganzen Tag geplagt,« und gab ihm mit der Hand einen Stumpf in den Rücken. Da fuhr ihm der garstige Apfelgrütz, den es abgebissen hatte, aus dem Hals, und da war Schneewittchen wieder lebendig. Da ging es hin zu dem Prinzen, der wußte gar nicht, was er vor Freuden thun sollte, als sein liebes Schneewittchen lebendig war, und sie setzten sich zusammen an die Tafel und aßen in Freuden. Auf den andern Tag ward die Hochzeit bestellt, und Schneewittchens gottlose Mutter, auch eingeladen. Wie sie nun am Morgen vor dem Spiegel trat und sprach: »Spieglein, Spieglein an der Wand: da antwortete er: »Frau Königin, Ihr seyd die schönste
hier, Als sie das hörte, erschrack sie, und es war ihr so Angst, so Angst, daß sie es nicht sagen konnte. Doch trieb sie der Neid, daß sie auf der Hochzeit die junge Königin sehen wollte, und wie sie ankam, sah sie, daß es Schneewittchen war; da waren eiserne Pantoffeln im Feuer glühend gemacht, die mußte sie anziehen und darin tanzen, und ihre Füße wurden jämmerlich verbrannt, und sie durfte nicht aufhören bis sie sich zu todt getanzt hatte. |
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